M05 · Phase 2 · Woche 5 von 26 · 60 Min.
Was er für dich tut
Ziel Jede Person benennt, was der Konsum für sie erledigt, und beginnt eine Woche als Landkarte.
Grundlage
6 geprüfte Aussagen
B 5 B/C 1
Aussagen und Quellen zeigen
| Blatt | Aussage und Quelle | Stufe |
|---|---|---|
| Übersicht | Wer noch unentschieden ist, ist nach dem Abwägen von Pro und Contra weniger entschlossen. Wer schon entschieden ist, wird fester (Nenkov und Gollwitzer, 2012). Untersucht bei allgemeinen Zielen. (Übertragung auf Sucht) | B/C |
| Übersicht | Miller und Rose, 2015: Bei Unentschlossenen eigene Gründe hervorholen statt neutral abwägen. | B |
| 5.1 | Längsschnittstudien zeigen meist erst die Belastung, dann den Konsum. Selbstmedikation ist ein Risikomuster, keine vollständige Erklärung. | B |
| 5.1 | Angst mit Alkohol „behandeln“ ging mit einer 2,5-fachen Chance auf eine neue Alkoholabhängigkeit nach 3 Jahren einher (Robinson u. a., 2011; 34.653 Erwachsene). | B |
| 5.2 | Tagebuch senkt nur in der ersten Woche; Wert als Landkarte | B |
| 5.2 | Stimmung wirkt über das Verlangen auf den Konsum | B |
Quelle und Prüfdatum stehen in der Wissensbasis von DrugOff. Was die Stufen bedeuten
Passt dazu auf DrugOff
Wofür eigentlich?
Konsum ist selten einfach nur dumm. Meistens löst er etwas, zumindest für eine Weile: Angst, Schlaf, Leere, Langeweile, Druck. Wer weiß, was der Stoff für ihn erledigt, kann nach anderen Wegen suchen, statt nur gegen den Konsum anzukämpfen.
Warum hier keine Pro-und-Contra-Liste kommt
Fast jedes Arbeitsblatt zu Sucht hat eine. In Experimenten waren Menschen, die sich noch nicht entschieden hatten, nach dem Abwägen von Pro und Contra weniger entschlossen als vorher. Wer schon entschieden war, wurde dadurch fester (Nenkov und Gollwitzer, 2012). Die Begründer der Motivierenden Gesprächsführung raten deshalb, bei Unentschlossenen nach den eigenen Gründen zu fragen, statt neutral abzuwägen (Miller und Rose, 2015).
Untersucht wurde das bei allgemeinen Zielen, nicht bei Sucht. Diese Phase fragt trotzdem anders, weil eine Liste, die schaden kann, hier nichts zu suchen hat.
So arbeitest du damit
- Du musst dich nicht entschieden haben, um anzufangen. „Vielleicht“ reicht.
- 5.1 und 6.1 gehören zusammen. 8.1 nimmt auf, was du dort findest.
- Den Satz unten auf 8.1 kannst du in Beratung oder Klinik vorlesen.
Was diese Phase nicht ist
Kein Test, ob du „schlimm genug“ bist, und keine Diagnose. Ob du etwas änderst und wie viel, entscheidest du.
Was er für dich tut
Ablauf
Das erklärst du in der Einführung
- Meist kommt zuerst die seelische Belastung und dann der Konsum. Wer Angst mit Alkohol „behandelte“, wurde häufiger abhängig.
- Ein Tagebuch ist eine Landkarte, keine Bremse. Allein senkt es den Konsum kaum, aber es zeigt Zusammenhänge.
- Das Tagebuch läuft die ganze Woche. In Modul 6 und 12 wird es gebraucht.
„Was ist das Erste, das ohne den Stoff wieder schwer wird?“
Bleistift, Ordner, Wochen-Check
Was er für dich tut
Kreuz an, was der Konsum für dich erledigt. Gib jedem Kreuz eine Zahl von 0 bis 10, je nachdem, wie wichtig es dir ist. Mehrere Kreuze sind normal.
| Aussage | ER HILFT MIR … | 0–10 | WANN, WOBEI? |
|---|---|---|---|
| die Angst leiser zu machen, vor Treffen, Schule, Anrufen | |||
| einzuschlafen | |||
| Schmerzen nicht so zu spüren | |||
| Leere oder Traurigkeit wegzumachen | |||
| gegen Langeweile | |||
| dazuzugehören, bei den anderen | |||
| gute Laune noch besser zu machen | |||
| wach und leistungsfähig zu sein | |||
| weniger zu essen oder abzunehmen | |||
| nach etwas Schlimmem nicht mehr dran zu denken | |||
| etwas anderes: |
Langzeitstudien zeigen meistens zuerst die seelische Belastung und danach den Konsum. Wer Angst mit Alkohol „behandelte“, hatte drei Jahre später eine 2,5-fach höhere Chance, neu alkoholabhängig zu werden (Robinson u. a., 2011; 34.653 Erwachsene).
Die Liste ist aus dem DrugOff-Wissen zusammengestellt und kein geprüfter Fragebogen. Selbstmedikation ist ein gut gestütztes Risikomuster, erklärt aber nicht jede Sucht.
Eine Woche als Landkarte
Ein Tagebuch ist keine Bremse, sondern eine Landkarte. Du siehst darin, um welche Uhrzeit, an welchem Ort, mit welchem Gefühl und mit wem es passiert. Fang heute mit den letzten drei Tagen an. Den Rest füllst du diese Woche aus.
| TAG | UHRZEIT, ORT, WER? | GEFÜHL VORHER (0–10) | KONSUM ODER NUR VERLANGEN (0–10) | WOFÜR? (BLATT 5.1) | DANACH, AM TAG DRAUF |
|---|---|---|---|---|---|
| Mo | |||||
| Di | |||||
| Mi | |||||
| Do | |||||
| Fr | |||||
| Sa | |||||
| So |
In Smartphone-Studien wirkte die Stimmung über das Verlangen auf den Konsum. Ein Experiment zeigte: Tagebuch-Schreiben senkte das Trinken nur in der ersten Woche, beim Kiffen gar nicht.
Die Spalten sind ein Vorschlag von DrugOff. Ein Tagebuch allein senkt den Konsum kaum. Es zeigt dir aber, wo du ansetzen kannst.
Wenn es gerade ernst ist
Blätter weglegen, anrufen. Entzug von Alkohol, Benzos oder GHB nie allein und plötzlich. Nach einer Pause verträgt der Körper weniger als früher.