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DrugOff

Arbeitsblätter · Für die Leitung

Leitfaden für Betreuende

Für Betreuende in Wohngruppen: das Programm in der Praxis, Haltung und Gruppenregeln, und was bei Rückfall, Krise und an den Grenzen der Gruppe zu tun ist.

Das Programm in der Praxis
DrugOff · Leitfaden für Betreuende Blatt 1 von 3

Das Programm in der Praxis

26 Wochen, jede Woche ein Modul, eine Gruppe, eine Leitung. Zu jedem Modul gibt es eine Leitungsseite mit Ziel, Ablauf und dem, was du erklärst. Dieses Blatt zeigt den Überblick.

Ablauf jeder Sitzung, 60 Minuten

5 Ankommen Wochen-Check, Wert ins Verlaufsblatt.
10 Einführung Du erklärst das Thema (Leitungsseite).
20 Blatt 1 15 Minuten allein, 5 freiwillig teilen.
20 Blatt 2 15 Minuten allein, 5 freiwillig teilen.
5 Abschluss Vorhaben, wer braucht Unterstützung?

Wochenplan

1 Modul 1 · Dein Startpunkt · Der Weg, Gruppenregeln
2 Modul 2 · Wie oft, und warum?
3 Modul 3 · Frühwarnzeichen
4 Modul 4 · Was hält dich zurück?
5 Modul 5 · Was er für dich tut
6 Modul 6 · Der Kreis
7 Modul 7 · Deine eigenen Gründe
8 Modul 8 · Andere Wege
9 Modul 9 · Was wann kommt
10 Modul 10 · Erwartbar oder Warnzeichen?
11 Modul 11 · Die Nächte
12 Modul 12 · Wo fängt es an?
13 Modul 13 · Deine Welle · Halbzeit
14 Modul 14 · Wenn …, dann …
15 Modul 15 · Deine Notfallkarte
16 Modul 16 · Bevor es passiert
17 Modul 17 · Der Weg dahin
18 Modul 18 · Danach · Wenn-dann erneuern
19 Modul 19 · Die gute Party
20 Modul 20 · Deine Menschen
21 Modul 21 · Deine vier Stützen
22 Modul 22 · Wer du jetzt bist · Wenn-dann erneuern
23 Modul 23 · Was du weißt
24 Modul 24 · Fragen, die du stellen kannst
25 Modul 25 · „Das passt nicht zu mir“
26 Modul 26 · Mein Plan für danach · Abschied
Die erste Woche jeder Phase beginnt mit der Phasen-Übersicht. In Woche 18, 22 und 26 werden die Wenn-dann-Sätze mit dem Blatt „Erneuern“ geprüft, weil ihre Wirkung nach dem ersten Monat kaum noch messbar war. Weniger als 26 Wochen? Drei Wege stehen auf dem Blatt „Wie lange?“ im Programm.
Material pro Person Ein Ordner, der ihr oder ihm gehört. Darin 13 Wochen-Check-Blätter (je zwei Wochen), ein Verlaufsblatt, je Modul zwei Blätter und ein Bleistift.
Wer neu dazukommt Steigt mit „Der Weg“, dem Wochen-Check und dem Modul der Woche ein. Blatt 1.1 holt sie oder er im Einzelgespräch nach.
NICHT BELEGT Dauer, Ablauf und Wochenplan sind Vorschläge von DrugOff und nicht als Ganzes untersucht. Die Zeiten sind Richtwerte. Belegt ist, dass Wenn-dann-Pläne vor allem im ersten Monat wirken (Blatt 14.1).
Akut in Gefahr: 112 · Telefonseelsorge 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 (rund um die Uhr, kostenlos) · Nummer gegen Kummer 116 111 (Mo–Sa 14–20 Uhr) · krisenchat.de (Chat, rund um die Uhr)
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Haltung in der Gruppe
DrugOff · Leitfaden für Betreuende Blatt 2 von 3

Haltung in der Gruppe

Was die Forschung über Gruppen mit Jugendlichen und über die Rolle der Leitung sagt.
1
Auf Augenhöhe, ohne Konfrontation Je mehr in einer Studie konfrontiert wurde, desto mehr wurde ein Jahr später getrunken (kleine Studie, 42 Personen). Besser wirkt es, nach den eigenen Gründen der Jugendlichen zu fragen (Motivierende Gesprächsführung).
UNTERSUCHT
2
Fortschritt beachten, Rausch keine Bühne geben Gruppen können Regelbruch „trainieren“, wenn Lachen und Aufmerksamkeit der anderen ihn belohnen. Als Schutz gelten positive Aufmerksamkeit statt Kritik und eine Leitung, die Verherrlichung ruhig unterbricht.
UNTERSUCHT
3
Die Gruppe selbst ist kein Risiko In der größten Studie zur Suchtbehandlung Jugendlicher (400 Jugendliche) war die Zusammensetzung der Gruppe nicht mit schlechteren Ergebnissen verbunden.
UNTERSUCHT
4
Erfahrung der Betreuenden zählt In stationärer Jugendhilfe war positiver Einfluss unter Gleichaltrigen häufiger als negativer. Erfahrene Betreuende schwächten den negativen Einfluss ab. Gemessen wurde Problemverhalten allgemein.
UNTERSUCHT
5
Familie einbeziehen, wo es geht Bei ambulanter Behandlung Jugendlicher war Familientherapie wirksamer als die meisten anderen Ansätze (45 Studien).
UNTERSUCHT
6
Realistisch bleiben Rückfallprophylaxe wirkt, aber in kleinem Maß, am deutlichsten bei Alkohol (26 Studien). Ein Rückfall im Programm heißt nicht, dass es gescheitert ist.
UNTERSUCHT

Gruppenregeln für Woche 1

zum Vorlesen und gemeinsam Ergänzen
  1. Was hier gesagt wird, bleibt hier.
  2. Jede und jeder entscheidet selbst, was er oder sie teilt.
  3. Wir reden über Erfahrungen, nicht über den Rausch, um anzugeben.
  4. Ein Rückfall ist hier ein Thema und kein Grund für Spott oder Rauswurf.
  5. Wer in Gefahr ist, sagt es. Dann gehen Sicherheit und Hilfe vor.
  6. Was jemand ehrlich angibt, wird hier nicht zum Vorwurf. Was die Einrichtung trotzdem erfahren muss, sagt die Leitung heute offen.
Akut in Gefahr: 112 · Telefonseelsorge 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 (rund um die Uhr, kostenlos) · Nummer gegen Kummer 116 111 (Mo–Sa 14–20 Uhr) · krisenchat.de (Chat, rund um die Uhr)
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Rückfall, Krise, Grenzen
DrugOff · Leitfaden für Betreuende Blatt 3 von 3

Rückfall, Krise, Grenzen

Was gilt, wenn es ernst wird. Hier gehen Sicherheit und Hilfe vor dem Programm.

Sofort handeln

  • Gedanken, nicht mehr leben zu wollen: direkt ansprechen, nicht auf später verschieben, nicht allein lassen. Bei akuter Gefahr 112. Telefonseelsorge 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222, rund um die Uhr.
  • Nicht ansprechbar, atmet kaum: 112. Bei Opioiden Naloxon geben, wenn es da ist.
  • Entzug von Alkohol, Benzodiazepinen oder GHB: nie allein und abrupt. Krampfanfälle und Delir sind möglich, das gehört in ärztliche Hand.

Wenn jemand während des Programms rückfällig wird

Aufarbeiten statt bestrafen Die Blätter 17.1 (Der Weg dahin) und 18.1 (Danach) sind dafür gebaut. Scham sagte in einer Studie weitere Rückfälle vorher, Schuldgefühle über die Tat nicht. Also über die Situation reden, nicht über den Charakter.
Vorsicht bei Entlassung Nach dem Ende einer Behandlung war die Rate an Überdosis-Todesfällen in den ersten 14 Tagen fast dreimal so hoch wie über 90 Tage gerechnet. Die Toleranz ist nach einer Pause gesunken. Wer entlässt, plant den Anschluss: Termin, Übergabe, bei Opioiden Naloxon.

Grenzen des Programms

  • Die Blätter stellen keine Diagnose und ersetzen keine Therapie. Angst, Depression, Trauma oder Schlafprobleme brauchen eigene Behandlung.
  • Ausgefüllte Blätter gehören den Jugendlichen. Was davon in Akten oder an Eltern geht, wird vorher mit ihnen geklärt. Es gelten die rechtlichen Regeln der Einrichtung.
  • Nach den 26 Wochen braucht es Nachsorge. Das Umfeld zählt besonders in den ersten drei Monaten nach einer Behandlung.
Beleglage
UNTERSUCHT

Toleranzverlust und Überdosis nach Haft und Behandlung, am besten belegt bei Opioiden. Überdosis-Tote nach Behandlungsende in New York, 51.171 Behandlungsenden. Scham und Rückfall (Randles und Tracy, 2013). Gefahren im Alkoholentzug. Umfeld nach Behandlung bei Jugendlichen.

NICHT BELEGT

Eine Studie, die Entlassung nach Rückfall mit Aufarbeitung vergleicht, wurde nicht gefunden. Der Umgang mit Blättern und Akten ist eine Empfehlung von DrugOff und keine Rechtsberatung.

Akut in Gefahr: 112 · Telefonseelsorge 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 (rund um die Uhr, kostenlos) · Nummer gegen Kummer 116 111 (Mo–Sa 14–20 Uhr) · krisenchat.de (Chat, rund um die Uhr)
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Wenn es gerade ernst ist

Blätter weglegen, anrufen. Entzug von Alkohol, Benzos oder GHB nie allein und plötzlich. Nach einer Pause verträgt der Körper weniger als früher.